Armutsentwicklung in München

Gemäß Marktforschungsinstitut GfK liegt die Kaufkraft in München 2023 bei durchschnittlich 35.867 Euro pro Einwohnerin und Einwohner – 29 Prozent über dem Bundesdurchschnitt, Lebenshaltungskosten bereits inkludiert. Im Durchschnitt steht München damit im Vergleich mit allen anderen deutschen Städten ganz vorne. So viel zum Durchschnitt. Wie sieht es bei den finanziell schlechter gestellten Münchnerinnen und Münchnern aus. Einer von vielen Orientierungswerten ist die Armutsgefährdungsquote. In Deutschland sprechen wir vor
allem über die „relative Armut“, die gemäß Richtwert der Europäischen Union vorliegt „wenn die Lebensweise und das Einkommen von Menschen so weit unter dem an ihrem Wohnort üblichen Lebensstandard liegen, dass sie Schwierigkeiten haben, an normalen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Aktivitäten teilzunehmen.“
Um die Armutsgefährdung messbar zu machen, misst die Europäische Union dafür einen Schwellenwert unterhalb dessen „Armutsgefährdung“ beginnt. Die Europäische Union definiert diesen Wert bei 60 % des Medianeinkommens. Andere Institutionen wiederum legen die Schwelle bei 50 % oder gar 40 % fest.
Wie ist die Situation in München?
Im Jahr 1987 veröffentlichte das Sozialreferat der Landeshauptstadt München seinen ersten kommunalen Armutsbericht. Dieser erscheint seitdem alle fünf Jahre, zuletzt im Jahr 2022.3 Als Datengrundlage dienen Erhebungen aus der Bevölkerungsbefragung zur Stadtentwicklung und dem Mikrozensus sowie Daten aus SGB II, SGB XII, Wohngeld, AsylbLG und aus Studien anderer Referate.
Daraus und auf Grundlage der Bevölkerungsbefragung von 2021 ermittelte das Sozialreferat in seinem Bericht eine Armutsgefährdungs- oder Armutsrisikoschwelle von 1.540 € für einen 1-Personen Haushalt. Je nach Haushaltsgröße und -typ wird dieser Wert nach oben angepasst. So liegt z. B. die Grenze für einen Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren bei 3.230 €.
Im Ergebnis liegt der Anteil an Personen, die in einem Haushalt leben, dessen Einkommen unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle liegt, bei 17 %. Gemessen an der Gesamtbevölkerung von 1.562.128 (Stichtag: 31.12.2021) sind demnach rund 265.600 Münchnerinnen und Münchner armutsgefährdet.
Im letzten Bericht von 2016 betrug die Armutsgefährdungsquote 17,4 % und die Zahl der von Armut betroffenen Menschen 268.900. Zwischen 2016 und 2021 hat die Armutsgefährdung in München somit trotz leichtem Bevölkerungszuwachs abgenommen.
2016 | 2021 | |
Armutsgefährdungsquote |
17,4 % | 17,0 % |
Betroffene | 268.900 | 265.600 |
Tabelle: Armutsgefährdungsquote und Betroffene in München 2016 und 2021
Im Bereich der sog. „bekämpften Armut“ haben 2021 rund 107.000 Menschen in München eine Transferleistung erhalten. 2016 waren es rund 115.000. Im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung ist der Anteil der Transferleistungsbezieher entsprechend von 7,5 % im Jahr 2016 auf 6,9 % im Jahr 2021 gesunken.
Wie schneidet München im Vergleich mit anderen deutschen Großstädten ab?
Das Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen hat auf Basis des Mikrozensus 2022 die Armutsgefährdungsquoten in den deutschen Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern erhoben. Die Methodik unterscheidet sich dabei von der Erhebung des Sozialreferats in München. Als Vergleichsgröße wurden die Einkommen im Bundesdurchschnitt (Bundesmedian) berücksichtigt. Nicht berücksichtigt ist deshalb, dass Durchschnittseinkommen und Preisniveau in den jeweiligen Städten vom Bundesdurchschnitt abweichen.
Im Ergebnis weist München mit einer Armutsgefährdungsquote von 10,5 % den niedrigsten Wert aller einbezogenen Städte auf. Am höchsten ist der Wert in Duisburg mit über 30 %. Auch im Vergleich mit dem Bund (16,7 %) und dem Freistaat Bayern (13,6 %) schneidet München besser ab.
Fazit
Die Ursachen und Gründe für den Anteil an finanziell schwächer gestellten Menschen innerhalb der Gesamtbevölkerung sind vielfältig. Gemessen an der Armutsgefährdungsquote steht München gut da bzw. profitiert die gesamte Stadtbevölkerung von München als starken Wirtschaftsstandort. Auch mit Zugrundelegen der Daten des Sozialreferats (mit stärkerer Berücksichtigung des lokalen Preisniveaus) bleibt München im ersten Viertel des Rankings. Vor allem die städtischen Unterstützungsleistungen, die sich München aufgrund der guten Einnahmesituation leisten kann, spielen dafür eine wichtige Rolle.