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Wohnungslosigkeit in München & anderen deutschen Großstädten

Fakten zur Wohnungslosigkeit in München & Vergleich mit anderen deutschen Großstädten.

Laut dem aktuellen Wohnungslosenbericht der Bundesregierung lag die Zahl der wohnungslosen Menschen in Deutschland zu Beginn des Jahres 2024 bei 531.600. Die Zahl der Menschen ohne eigene Unterkunft hat sich zwischen 2022 und 2024 somit ungefähr verdoppelt (2022: 262.600). Einerseits hängt der starke Anstieg unter anderem mit dem statistischen Berücksichtigen von ukrainischen Geflüchteten zusammen, die in staatlichen Unterkünften ohne Mietverträge untergebracht sind. Dadurch habe sich die Zahl im Vergleich zu 2022 um 136.900 erhöht. Andererseits ist die Zahl wohnungsloser Personen in den letzten Jahren nicht kleiner geworden. Im Folgenden sollen daher die verschiedenen Begrifflichkeiten erklärt und näher auf die Situation in München und anderen deutschen Großstädten zum Thema Wohnungslosigkeit eingegangen werden.

Definition

Laut der Definition im Wohnungslosenberichterstattungsgesetz (WoBerichtsG) besteht Wohnungslosigkeit, wenn

  • die Nutzung einer Wohnung durch eine Person oder eine Mehrheit von Personen desselben Haushalts weder durch einen Mietvertrag oder einen Pachtvertrag noch durch ein dingliches Recht abgesichert ist oder
  • eine Wohnung einer Person oder einer Mehrheit von Personen desselben Haushalts aus sonstigen Gründen nicht zur Verfügung steht.

Hieraus ergeben sich folgende Arten von Wohnungslosigkeit:

  • Untergebracht wohnungslose Personen: Personen, die ohne eigenen Mietvertrag in Wohnraum eingewiesen werden oder in Notunterkünften untergebracht sind.
  • Verdeckt wohnungslose Personen: Personen, die bei Verwandten, Freunden und Bekannten vorübergehend unterkommen.
  • Wohnungslose Personen ohne Unterkunft: Personen, die ohne jegliche Unterkunft sind bzw. „auf der Straße“ leben oder dauerhaft in Zelten oder PKW, Abbruchhäusern oder Garagen leben.

Personen, die mit anerkanntem Aufenthaltsstatus in Asylbewerberunterkünften leben, weil keine reguläre Wohnung zur Verfügung steht, werden ebenfalls als wohnungslos begriffen. Diese werden in der Gruppe der untergebrachten wohnungslosen Personen erfasst.

Der aktuelle Bericht der Bundesregierung geht von folgenden Personenzahlen für die drei genannten Arten von Wohnungslosigkeit für Gesamtdeutschland (Stand Januar 2024) aus::
Art Anzahl
Untergebracht wohnungslose Personen 439.500
Verdeckt wohnungslose Personen 60.400
Wohnungslose Personen ohne Unterkunft 47.300
Gesamt
(unter Berücksichtigung von Doppelerfassungen)
531.600

Wohnungslose Personen ohne Unterkunft oder verdeckte wohnungslose Personen können statistisch nicht fehlerfrei erfasst werden. Daher beruhen Informationen über Umfang und Struktur dieser beiden Formen von Wohnungslosigkeit in Statistiken immer auf Zählungen, Hochrechnungen, Schätzungen oder Befragungen von entsprechenden Einrichtungen.

1. Wohnungslosigkeit in München

Wie bereits beschrieben, ist die Faktenlage bei den untergebrachten Wohnungslosen am besten. So waren laut einer Erhebung der Bayerischen Staatsregierung waren zum Stichtag 30.06.2020 in München 5.255 Wohnungslose kommunal untergebracht. Dies war im landesweiten Vergleich der höchste Wert einer kreisfreien Stadt, gefolgt von Nürnberg (1.704), Erlangen (344) und Augsburg (242).
Im Wohnungslosenbericht der Bundesregierung belief sich die Zahl der untergebrachten wohnungslosen Personen im Januar 2024 in der bayerischen Landeshauptstadt sogar auf 10.765. Hiervon hatten 1.690 Personen die deutsche und 9.075 Personen eine ausländische Staatsbürgerschaft. Im Vergleich zum Jahr 2022 ist die Gesamtzahl um knapp 20 Prozent gestiegen (2022: 8.975). Wie auf Bundesebene ist diese Zunahme teilweise durch die große Zahl ukrainischer Geflüchteter begründet. Zudem sei die Datenlage seit der Beendigung der Corona-Maßnahmen besser, da wieder mehr Einrichtungen entsprechende Zahlen zurückmelden können.

Laut der „Studie über obdachlose Menschen auf der Straße in der Landeshauptstadt München“, die vom Sozialreferat beauftragt und im Mai 2024 vorgestellt wurde, lebten in den Jahren 2022/2023 in München 340 obdachlose Personen auf der Straße, davon 240 im Innenbereich des mittleren Rings. Als Grund für die Obdachlosigkeit gaben 40 Prozent der insgesamt 110 Befragten den Umzug nach München an. Für 36 Prozent war der Wegfall der Wohnmöglichkeit oder eine Kündigung der Grund für das Leben auf der Straße. 18,2 Prozent gaben an, dass sie sich freiwillig für die Obdachlosigkeit entschieden hätten, wohingegen 5,5 Prozent im System der Wohnungslosenhilfe oder in sonstigen Hilfeeinrichtungen waren, diese aber verlassen hätten.

2. Vergleich mit anderen Großstädten

Ein Vergleich mit anderen deutschen Großstädten bietet sich aufgrund der Datenlage vorrangig im Bereich der untergebrachten wohnungslosen Personen an:

Einwohnerzahl (Stand: 31.12.2023) Untergebrachte wohnungslose Personen (Stand Januar 2024) Pro 100.000 Einwohner
Insgesamt Deutsche Ausländer
Berlin 3.782.202 47.265 8.165 39.100 1.250
Hamburg 1.910.160 32.615 2.330 30.285 1.707
München 1.510.378 10.765 1.690 9.075 713
Köln 1.087.353 9.970 2.410 7.560 917
Frankfurt am Main 775.790 9.435 1.625 7.810 1.216
Stuttgart 633.484 8.300 1.830 6.470 1.310
Düsseldorf 631.217 6.215 1.250 4.965 985
Leipzig 619.879 945 485 460 152
Dortmund 595.471 1.545 485 1.060 259
Essen 586.608 1.595 550 1.045 272

Quelle: Statistisches Bundesamt

Beim Blick auf die Zahlen zeigt sich, dass München im Vergleich mit den sieben größten deutschen Städten die niedrigste Wohnungslosenquote pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern hat. Zudem liegt der Wert mit 713 untergebrachten Wohnungslosen unter dem Durchschnitt der zehn größten deutschen Städte (878 pro 100.000 Einwohnern). Allerdings ist die Zahl deutlich höher als bspw. in Leipzig, Dortmund oder Essen.

Im Bereich der verdeckten Wohnungslosigkeit und der Obdachlosigkeit gestaltet sich ein Vergleich aufgrund einer fehlenden einheitlichen Datengrundlage als schwieriger.

Im Rahmen einer Zählung aus dem Jahr 2020 gab es in Berlin 1.967 obdachlose Personen in Berlin. Aktuellere Schätzungen wie bspw. von den Wohlfahrtsverbänden gehen jedoch eher von einer Zahl zwischen 6.000 und 10.000 Menschen aus, die in Berlin auf der Straße leben.

In Hamburg sollen aktuellen Zahlen zufolge 3.787 Menschen obdachlos sein und auf der Straße leben. Im Vergleich zu 2018 hat sich diese Zahl fast verdoppelt. Zudem befänden sich 1.685 Menschen in der verdeckten Obdachlosigkeit.

Eine Studie zur Wohnungslosigkeit in der Stadt Kölnkommt zu dem Ergebnis, dass mit Stand Januar 2023 insgesamt 8.594 erwachsene Personen wohnungslos waren, von denen 7.810 institutionell untergebracht waren. Bei 387 Personen soll eine verdeckte Wohnungslosigkeit und bei 397 Personen eine Wohnungslosigkeit ohne Unterkunft auf der Straße vorliegen.

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*: Die Studie wurde vom SINE Institut im Münchner Stadtgebiet durchgeführt und umfasste zwei Zählungen – eine in der Winterperiode (November 2022) und eine in der Sommerperiode (Mai 2023), um die tatsächliche Anzahl der obdachlosen Menschen in München zu erfassen. Die Straßenzählung wurde auf das Gebiet innerhalb des Mittleren Rings begrenzt und anhand von Experteneinschätzungen auf das gesamte Stadtgebiet hochgerechnet.

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